Recht haben und Recht bekommen: Wie Streit gelöst wird, bevor er eskaliert
Die meisten Konflikte lassen sich klären, wenn früh jemand zuhört, sortiert und einen Vorschlag macht. Ein Bericht aus dem Kanzleialltag.
Von Dr. Anna Brandt · Fachanwältin für Arbeits- und VertragsrechtWer zum ersten Mal eine Kanzlei betritt, hat meist schon einiges hinter sich: schlaflose Nächte, Briefe, die man nicht mehr lesen mag, und das Gefühl, dass es keinen Ausweg gibt. Unsere erste Aufgabe ist deshalb nicht das Gesetz, sondern das Zuhören. Erst wenn klar ist, worum es wirklich geht, kann man sinnvoll über Rechte und Pflichten sprechen.
Rund sieben von zehn Mandaten schließen wir ohne Gerichtsverfahren ab. Das liegt nicht an mangelndem Mut, sondern an Erfahrung: Ein Vergleich, der beide Seiten erträglich stellt, ist oft mehr wert als ein Urteil, das Jahre später kommt und nur eine Seite zufriedenstellt.
„Ein gutes Ergebnis erkennt man daran, dass beide Seiten am nächsten Morgen wieder miteinander sprechen können.“
Natürlich gibt es Fälle, in denen man vor Gericht muss. Dann bereiten wir jede Akte so vor, als würde sie morgen verhandelt: lückenlos, sachlich, ohne unnötige Schärfe. Mandantinnen und Mandanten wissen in jeder Phase, wo wir stehen, was es kostet und was als Nächstes passiert.
Dazu gehört auch, ehrlich zu sagen, wenn eine Sache keine Aussicht auf Erfolg hat. Auch das ist Beratung, und sie erspart Geld und Nerven. Vertrauen entsteht dort, wo jemand einen Rat gibt, der ihm selbst nichts nützt.